Nach zwei Teilen voller Ăberraschungen, Abrechnungen und offener Rechnungen schien zur SaisonhĂ€lfte eigentlich alles gesagt.
Eigentlich.
Doch die zweite Saison der FIHL wĂ€re nicht die FIHL, wenn man es dabei belassen hĂ€tte. Zu viele Teams fĂŒhlten sich ĂŒbergangen, zu viele GMs meldeten sich mit dem Hinweis, man sei ânoch nicht fertig beurteilt wordenâ. Und wie immer gilt: Wer laut genug klagt, bekommt Aufmerksamkeit.
Also folgt nun Part 3 â der letzte Akt des Midseason Reports.
Hier geht es nicht mehr um Momentaufnahmen oder kurzfristige Euphorie. Es geht um Substanz, Fehlkalkulationen und Entscheidungen mit Langzeitwirkung. Um brisante Trades, die schon jetzt Diskussionen auslösen. Um Deals, die als clever galten â und solche, die sich bereits zur SaisonhĂ€lfte wie verpasste Chancen anfĂŒhlen.
Dieser Teil blickt dorthin, wo es weh tut:
auf Franchises ohne Sicherheitsnetz, auf Teams ohne eigene First-Round-Picks, auf Kader, die mehr versprechen als sie liefern. Auf GMs, die all-in gegangen sind â und auf jene, die zu lange gezögert haben.
Part 3 ist kein Nachtrag.
Er ist eine Bilanz ohne Schonung.
Wir sprechen ĂŒber Teams, die zwischen Anspruch und RealitĂ€t feststecken. Ăber Organisationen, die ihre Zukunft bereits im Draft 2026 verorten. Und ĂŒber Entscheidungen, die man heute noch erklĂ€ren kann â aber morgen vielleicht bereut.
Hier enden Ausreden.
Hier zÀhlen nur noch Konsequenzen.
Tampa Bay steht zur SaisonhĂ€lfte weit oben in der Eastern Conference und mischt direkt an der Spitze der Atlantic Division mit. Der Abstand zu Florida und Ottawa ist minimal â jeder Punkt kann die Reihenfolge kippen.
Ein Blick auf die Offensive erklÀrt den Tabellenplatz sofort:
Nikita Kucherov, Kirill Marchenko, Brandon Hagel und Brayden Point â
das ist eine Achse, die Spiele entscheidet. Tampa gewinnt Spiele, weil sie offensiv immer Antworten haben.
Dass die Defensive aktuell noch stabil wirkt, hat jedoch einen ganz entscheidenden Grund: Andrei Vasilevskiy.
Mit einem 87er Rating ist er der RĂŒckhalt, der Fehler kaschiert, Druckphasen entschĂ€rft und Spiele ruhig hĂ€lt. Vieles, was hinten âkontrolliertâ aussieht, beginnt im Tor â und Tampa weiĂ genau, was sie an ihm haben.
Doch auch hier gilt: Die Saison ist lang.
Und je nĂ€her es Richtung ganz groĂe BĂŒhne geht, desto weniger reicht es, sich allein auf den Goalie zu verlassen. Die Defensive funktioniert â noch. Aber wer bis ganz ans Ende will, weiĂ, dass jede Serie hĂ€rter, enger und unbarmherziger wird.
Tampa hat alles, um den Cup zu holen.
Ob es fĂŒr den letzten Schritt noch gezielte VerstĂ€rkung braucht, wird sich zeigen.
Und irgendwo, ganz leise, fĂ€llt dabei ein Name â Seth Jones.
Aktuell in Chicago.
NatĂŒrlich nur ein Gedanke.
NatĂŒrlich mit einem Augenzwinkern đ
Als amtierender Stanley-Cup-Sieger verdienen die Rangers naturgemÀà mehr als nur eine Randnotiz. Entsprechend fĂ€llt auch dieser Beitrag etwas lĂ€nger aus â nicht aus Nostalgie, sondern weil sich rund um New York in kurzer Zeit erstaunlich viel verĂ€ndert hat.
Zur Einordnung: Overall stehen die Rangers aktuell nur auf Platz 18. Ein Wert, der auf den ersten Blick kaum zu einem Titelverteidiger passt. Doch die Tabelle hat ihre TĂŒcken. In einer sehr bescheidenen Division â Washington ausgenommen â reicht diese Ausbeute dennoch fĂŒr Platz 2 und damit einen sicheren Playoff-Platz. Es ist weniger Dominanz als geschickte Positionierung.
Ein entscheidender Wendepunkt fand jedoch abseits des Eises statt. Nach einer Saison mit einem auffallend inaktiven GM ĂŒbernahm GM Felder das Steuer. Neu in der FIHL, direkt verantwortlich fĂŒr ein Cup-Team â eine der schwierigsten Aufgaben, die diese Liga zu bieten hat. Erwartungen sind hoch, Geduld traditionell gering.
Seitdem ist Bewegung drin.
Mehr GesprÀche, mehr AktivitÀt, mehr Mut.
Ein Grundpfeiler bleibt das Tor. Mit Igor Shestyorkin und Joseph Woll verfĂŒgen die Rangers wohl (âhahaâ) ĂŒber eines der âbestenâ Goalie-Tandems der gesamten Liga. Ob Elite oder einfach nur luxuriös abgesichert â fest steht: Hier wird kein Risiko eingegangen.
Besonders auffĂ€llig waren zwei Trades, die den neuen Kurs unterstreichen. Zum einen die Verpflichtung vom ebengenannten Joseph Woll, zum anderen der groĂe Deal rund um Noah Dobson. New York gab Will Cuylle, Gabe Perreault, Braden Schneider sowie einen 2nd-Round-Pick 2027 ab â und erhielt Dobson inklusive eines 1st-Round-Picks von Vancouver 2026.
Und genau dieser Pick entwickelt sich zunehmend zum SchlĂŒssel.
Denn die Belugas aus dem Norden performen aktuell alles andere als ĂŒberzeugend. Je lĂ€nger diese Form anhĂ€lt, desto wertvoller wird der First 2026 â ein stiller Bonus, der den Deal im Nachhinein noch schwerer wiegen könnte.
Die Rangers sind damit ein interessantes Paradox:
kein dominantes Spitzenteam, aber klug positioniert.
nicht makellos, aber strategisch flexibel.
Titelverteidiger mit neuem Dirigenten â und ohne Schonfrist.
Der Cup ist Geschichte.
Die Erwartung bleibt.
Und New York weiĂ: In dieser Liga reicht es nicht, Champion gewesen zu sein.
Carolina steht zur SaisonhĂ€lfte im oberen Mittelfeld der Eastern Conference und hĂ€lt sich im Playoff-Rennen â solide, aber ohne groĂen Puffer. Ein Tabellenplatz, der weniger beruhigt als verpflichtet. Denn diese Saison muss etwas bringen.
Der Kontext ist besonders: An der Spitze der Hurricanes steht der jĂŒngste GM der gesamten FIHL. Ambitioniert, mutig, risikofreudig â und nicht dafĂŒr bekannt, lange zuzuwarten. Carolina befindet sich nicht im Aufbau, sondern im Anspruchsmodus.
Auf dem Papier ist der Kader entsprechend stark besetzt:
Jake Guentzel, Seth Jarvis und Dylan Larkin bilden eine offensive Achse, die in dieser Liga jederzeit Spiele kippen kann. Talent ist vorhanden. Tiefe ebenfalls.
Und genau deshalb wurde investiert.
Vor allem investiert.
Der deutlichste Ausdruck dieses Kurses war der Malkin-Trade. FĂŒr Evgeni Malkin â nur ein Jahr Vertrag, 50 % Cap Retain â gab Carolina einen 4th-Round-Pick sowie den 1st-Round-Pick Cullen Potter ab. Ein Overpay, der ligaweit diskutiert wurde: Erfahrung und Soforthilfe gegen Zukunft und FlexibilitĂ€t.
Das war kein vorsichtiges Abtasten.
Das war All-in.
Nicht unerwĂ€hnt bleiben darf eine weitere Baustelle: Trotz intensiver BemĂŒhungen, Carson Soucy abzugeben, ist es bislang nicht gelungen, einen Abnehmer zu finden. Ein Umstand, der intern sicher beschĂ€ftigt â und extern fĂŒr Stirnrunzeln sorgt.
Ironischerweise könnte es am Ende genau dieser NHL-ready Soucy sein, der Carolina in den entscheidenden Spielen StabilitÀt gibt. Vielleicht hÀlt am Schluss ausgerechnet der Spieler, den man loswerden wollte, den Cup in die Höhe.
Carolina hat Talent.
Carolina hat investiert.
Carolina hat keine Ausreden mehr.
Die zweite SaisonhĂ€lfte wird zeigen, ob der Mut des jĂŒngsten GMs der Liga belohnt wird â
oder ob man zu frĂŒh zu viel wollte.
Was soll man groĂ ĂŒber Pittsburgh berichten?
Genau diese Frage beschreibt die Lage der Penguins zur SaisonhÀlfte vermutlich besser als jede Statistik.
Sportlich ist wenig Ambition zu erkennen, strategisch dagegen umso mehr. Der Kurs ist klar: Blick nach vorne, Fokus auf den Draft 2026. Alles andere wÀre angesichts des aktuellen Kaders schwer zu erklÀren.
Der wichtigste Moment der bisherigen Saison war dabei weniger ein Spiel als ein Trade. Im Deal mit den Carolina Hurricanes sicherte sich Pittsburgh Cullen Potter â ein Baustein fĂŒr die Zukunft, passend zur Ausrichtung der Franchise. Kein Soforthilfe-Move, sondern ein klarer Schritt in Richtung Neuaufbau.
Das restliche Bild passt dazu.
Der Kader wirkt nicht wie ein Team, das kurzfristig angreifen will â und die Goalie-Situation verstĂ€rkt diesen Eindruck noch. Erinnerungen an New Jersey werden wach: viel Geduld, wenig Widerstand, klare PrioritĂ€ten. Siege sind möglich, aber nicht zwingend notwendig. Punkte eher Bonus als Ziel.
Eine der wenigen echten Wetten der Penguins ist Eetu Luostarinen. Ein Sechsjahresvertrag, der StabilitĂ€t bringen soll â oder sich als teure Geduldsprobe entpuppt. Ob sich diese langfristige Bindung auszahlt, wird nicht diese Saison entschieden, sondern irgendwann zwischen Hoffnung und RealitĂ€t.
Und sonst?
Nicht viel.
Pittsburgh plant.
Pittsburgh sammelt.
Pittsburgh wartet.
Alles deutet darauf hin, dass die wirklich wichtigen Entscheidungen erst 2026 fallen sollen. Bis dahin bleibt diese Saison vor allem eines: zweckmĂ€Ăig.
Detroit gehört zu den groĂen Namen dieser Liga. Geschichte, Tradition, Erwartungen â alles vorhanden.
Nur leider spiegelt sich davon zur SaisonhÀlfte kaum etwas in der Tabelle wider.
Die Red Wings stehen weit unten im Eastern Conference Ranking und sind bereits deutlich von den Playoff-PlÀtzen entfernt. Es ist keine Momentaufnahme mehr, sondern ein klarer Trend: Detroit kommt schlicht nicht in Fahrt. Zu viele enge Niederlagen, zu wenig Serien, kaum Momentum.
Ein Detail sticht dabei besonders heraus â und wirkt beinahe einzigartig:
Detroit besitzt aktuell keinen einzigen Draft-Pick eines anderen Teams.
Ohne GewĂ€hr, aber ligaweit dĂŒrfte das ein echtes Unikat sein. Keine zusĂ€tzlichen Assets, keine Absicherung, kein Netz â alles, was kommt, muss aus dem eigenen Fundament entstehen.
Was ebenfalls auffÀllt: Es fehlt an einer klaren IdentitÀt.
Nicht schlecht genug fĂŒr einen sauberen Rebuild.
Nicht gut genug, um ernsthaft anzugreifen.
Der Kader wirkt wie ein Kompromiss aus Vergangenheit und Hoffnung â ohne echten Hebel. Weder wurde aggressiv nachgelegt, noch konsequent verkauft. Detroit treibt irgendwo zwischen âwir könnten nochâ und âeigentlich eher nichtâ.
Ein interessanter Nebenaspekt: Chicago zeigte bereits wĂ€hrend der Preseason starkes Interesse an Emmitt Finnie. Ein Spieler, den man frĂŒh auf dem Zettel hatte â und den Detroit klugerweise nicht abgegeben hat. Eine der wenigen klaren Entscheidungen, die langfristig noch Gewicht bekommen könnten.
Ob genau dieser Punkt ein Wendepunkt fĂŒr die Franchise wird, bleibt offen.
Denn aktuell gilt: Auch defensiv und im Tor fehlt es an der StabilitĂ€t, um Spiele zu klauen. Wenn es eng wird, kippen die Partien zu oft gegen Detroit. Kein Chaos, kein Totalschaden â aber eben auch kein Fundament, auf das man bauen kann.
So bleibt Detroit zur SaisonhÀlfte ein Team ohne klares Narrativ:
kein Skandal,
kein All-in,
kein Rebuild,
kein Lauf.
Nur eine Tabelle, die langsam, aber deutlich spricht.
FĂŒr die zweite SaisonhĂ€lfte geht es weniger um Wunder als um Ehrlichkeit.
Entweder man zieht eine Linie â oder man bleibt genau dort, wo man jetzt steht.
Und das wĂ€re fĂŒr eine Franchise wie Detroit wohl das Bitterste.
San Jose ist ein Team, bei dem schon der Name des GMs eine gewisse Grundspannung erzeugt. Umbo klingt weniger nach Eishockey-Manager und mehr nach Capo eines sĂŒdamerikanischen Kartells â und genauso kontrolliert, kĂŒhl und strategisch wirkt auch sein Auftreten in der FIHL.
Entgegen mancher Erwartung geht es in San Jose wahrscheinlich gar nicht primĂ€r um einen einzelnen Top-Pick. Der wahre Plan scheint komplexer â und potenziell deutlich wirkungsvoller.
Die Sharks verfĂŒgen ĂŒber eine auffĂ€llige Menge an ehemaligen First-Round-Picks. So viele, dass klar wird: Hier wird nicht auf einen GlĂŒckstreffer gehofft, sondern auf Hebelwirkung. San Jose sammelt Optionen, nicht Hoffnungen. ZĂŒndhölzer statt Feuerwerk â und der Zeitpunkt, sie zu nutzen, wird sehr bewusst gewĂ€hlt.
Ironischerweise hĂ€tte dieser Vorrat sogar noch gröĂer sein können. Chicago versĂ€umte es, Lukas Reichel nach San Jose zu traden â trotz eines sehr fairen Angebots. RĂŒckblickend ein seltener Moment ehrlicher Selbstkritik aus dem Norden:
Da war man wohl selbst einmal zu gierig.
Gut fĂŒr San Jose.
Denn statt eines weiteren Projekts aus Chicago blieb ihnen zumindest der Waschlappen im Norden erspart â auch das kann man als sauberes Asset-Management verbuchen.
Sportlich bewegen sich die Sharks aktuell im Niemandsland: zu stabil fĂŒr den kompletten Absturz, aber weit entfernt von echter Ambition. Und genau das macht sie gefĂ€hrlich. WĂ€hrend andere Teams offen verlieren oder hektisch reagieren, wartet San Jose. Still. Geduldig. Rechenstark.
AuffĂ€llig: San Jose hat selbst kĂŒrzlich einen Presseartikel zur eigenen SaisonhĂ€lfte veröffentlicht. Darin war viel von Stadion, Fans und neuer Euphorie zu lesen. Die FIHL SUN BLICK-Redaktion nimmt das zur Kenntnis â bleibt aber schlagfertig und nicht voreingenommen bemĂŒht, alles schönzuschreiben.
Denn bei aller positiven Grundstimmung:
Mit einer durchschnittlichen Auslastung von rund 75 % ist noch deutlich Luft nach oben. Kalifornien ist noch nicht geschlossen zurĂŒck an Bord â und echte Euphorie misst sich nicht an Worten, sondern an vollen RĂ€ngen.
Der Kurs bleibt dennoch klar:
ruhig,
berechnend,
und mit genĂŒgend Munition.
Ob am Ende ein hoher Pick steht oder ein massiver Trade-Schlag aus der Reserve â San Jose spielt nicht auf TabellenplĂ€tze, sondern auf Timing.
Und das ist oft die gefÀhrlichste Strategie von allen.
Noch vor wenigen Monaten stand St. Louis im Stanley-Cup-Finale.
Eine Saison, die Erwartungen explodieren lieĂ â nicht nur ligaweit, sondern auch im eigenen Haus. In Missouri sprach man bereits selbstbewusst davon, dass âin der FIHL der Blues spieltâ. Ein Satz, der mehr war als Euphorie: Er war Anspruch. Und rĂŒckblickend vielleicht auch der Anfang vom Problem.
Dann kam die Finalniederlage.
Kein Totalschaden, aber ein klarer RealitĂ€tsschock. Heute wirkt dieser Leitspruch weniger wie ein Bekenntnis â und mehr wie eine Mahnung. Inzwischen ist âin der FIHL spielt es den Bluesâ lĂ€ngst zu einem Running Gag geworden. Kaum ein Ausdruck wird ligaweit hĂ€ufiger zitiert, wenn es um verpasste Erwartungen und zu frĂŒhe Selbstgewissheit geht.
Die aktuelle Saison verlÀuft nun klar gegen den Willen des GMs. Vom dominanten Blues ist nichts mehr zu hören. Stattdessen klingt es in St. Louis nach einem dumpfen Trauerlied: schleppender Rhythmus, falsche EinsÀtze, keine Melodie. Siege wirken zufÀllig, Serien bleiben aus, eine klare IdentitÀt ist kaum erkennbar.
Das Bittere daran:
Das Kader hat Playoff-Potenzial. Erfahrung, Tiefe, Namen â alles vorhanden. Doch genau das macht die Situation so unangenehm. St. Louis ist kein klassisches Rebuild-Team, sondern eine Franchise im Anspruchs-Stau. Zu gut, um alles einzureiĂen. Zu inkonsequent, um wirklich anzugreifen.
Und dann ist da noch die Zukunft. Oder besser gesagt: das, was davon fehlt.
Kein eigener First-Round-Pick in den nÀchsten zwei Jahren.
Keine Sicherheitsleine. Kein einfacher Reset. Jeder Fehltritt wiegt doppelt, jede falsche Hoffnung dreifach.
St. Louis steckt fest.
Zwischen Final-Anspruch und MittelmaĂ.
Zwischen Stolz und ErnĂŒchterung.
Und mit einem Satz aus der Vorsaison, der sie bis heute verfolgt.
Die zweite SaisonhĂ€lfte wird entscheiden, ob aus dem Trauerlied wieder ein Blues wird, der trĂ€gt â
oder ob der groĂe Finalrun am Ende nur eine Erinnerung bleibt, die schwerer wiegt als jeder aktuelle Punkt.
Los Angeles bewegt sich aktuell in einem sehr Àhnlichen Fahrwasser wie Nashville.
Viele EinjahresvertrĂ€ge, wenig langfristige Bindung â und sportlich eher Kampf um einen Top-Pick als gegen die Konkurrenz.
Der Kader wirkt wie ein Ăbergangszustand auf Kufen: nicht konsequent schlecht genug fĂŒr einen sauberen Rebuild, aber auch weit entfernt von echter Ambition. Jeder Sieg fĂŒhlt sich fast wie ein Unfall an, jede Niederlage dagegen wie ein Schritt im Plan.
Besonders pikant: Auch die Kings hatten Interesse an Lukas Reichel.
Und auch hier gilt rĂŒckblickend: Chicago beiĂt sich inzwischen ordentlich in den eigenen Hintern, diesen â nennen wir Ihn freundlich â LuftdĂŒbel nicht rechtzeitig abgegeben zu haben.
Zwei verpasste Chancen.
Ein eigentlich talentierter Spieler.
Aber offenbar nicht NHL-tauglich genug, um irgendwo echten Gegenwert zu erzeugen.
Stattdessen bleibt er in Chicago â wo ihm in den kommenden Jahren vermutlich ein sehr gemĂŒtlicher Scratch-Platz sicher ist. Warmes Popcorn, gute Sicht aufs Eis, wenig Verantwortung.
Abseits des Eises sorgte zudem ein Trade fĂŒr deutlich mehr GesprĂ€chsstoff, als man zunĂ€chst vermutet hĂ€tte. Linus Ullmark wurde nach Boston abgegeben â ein Deal, der auf den ersten Blick völlig unspektakulĂ€r wirkte.
Doch kurz darauf begann es zu rumoren. Ligaweit war von interner Unruhe die Rede, von Ablenkungen auf AuswĂ€rtsreisen, von NĂ€chten, die lĂ€nger wurden als die Playoff-Hoffnungen der Kings. GerĂŒchte ĂŒber exzessive âBunga-Bungaâ-Partys machten die Runde â und mit ihnen Geschichten ĂŒber ein TeamgefĂŒge, das spĂŒrbar gelitten haben soll. Wahr oder nicht: Der Eindruck blieb.
FĂŒr Los Angeles kam der Trade damit zur rechten Zeit.
Ob Ullmark nun in Boston Ă€hnliche Schlagzeilen produziert oder dort plötzlich MusterschĂŒler spielt, bleibt abzuwarten. Die Liga schaut jedenfalls genau hin.
FĂŒr die Kings gilt derweil:
Der Weg ist eingeschlagen, aber nicht klar kommuniziert.
Viele kurze VertrĂ€ge, wenig Zukunftssicherheit â und ein stiller Wettlauf mit Teams wie Seattle, Nashville oder Minnesota darum, am Ende âzufĂ€lligâ ganz unten zu stehen.
Ob das KalkĂŒl aufgeht?
Oder ob man sich irgendwann fragt, warum man nie richtig schlecht oder richtig gut war â das wird die Zeit zeigen.
Seattle ist aktuell eines der schwerer zu lesenden Teams der FIHL. Und das beginnt bereits bei der Ausgangslage vor der UFA-Phase. Die Kraken lagen mehrere Millionen unter dem Minimum Cap â eine Situation, die wenig Interpretationsspielraum lĂ€sst. Man musste aktiv werden. Nicht aus Ăberzeugung, nicht aus Vision, sondern aus schlichter Notwendigkeit.
Was dann folgte, war bemerkenswert â und zugleich verwirrend.
In der UFA-Phase verpflichtete Seattle unglaubliche neun Spieler und gab dabei 31,4 Millionen aus. Ein Kraftakt, der weniger nach Feinschliff als nach GroĂreinemachen wirkte.
AuffĂ€llig dabei: Es blieb nicht bei kurzfristigen LĂŒckenfĂŒllern. Viele dieser NeuzugĂ€nge erhielten nicht nur EinjahresvertrĂ€ge, sondern zwei- oder sogar dreijĂ€hrige Laufzeiten. FĂŒr ein Team ohne klar erkennbare Richtung ist das ein mutiger â oder riskanter â Schritt. FlexibilitĂ€t wird damit eingeschrĂ€nkt, bevor ĂŒberhaupt klar ist, wohin die Reise gehen soll.
AngefĂŒhrt wird das Ganze vom sogenannten âMann aus Volketswilâ. Ein GM, der ligaweit fĂŒr Stirnrunzeln sorgt â weniger wegen einzelner Moves, sondern wegen der Gesamtkomposition. Ruhig, korrekt, selbstbewusst â Entscheidungen werden getroffen, doch das groĂe Bild bleibt verschwommen.
Auch der Blick auf die Zukunft bringt nur bedingt Klarheit. Die Draftpicks 2026 sind weitgehend normal, ohne groĂe Zusatzmunition â mit einer einzigen Ausnahme: ein zusĂ€tzlicher 2nd-Round-Pick von den Oilers. Nett, aber kaum ausreichend, um die vielen Vertragsjahre im Kader strategisch abzufedern.
AuffĂ€llig ist zudem die Vertragsstruktur im Kern des Teams. Der einzige echte Long Contract lĂ€uft ĂŒber fĂŒnf Jahre und gehört Jared McCann. Ausgerechnet dieser StabilitĂ€tsanker kĂ€mpft in dieser Saison jedoch immer wieder mit Verletzungen â kein gutes Signal mit Blick auf die kommende Spielzeit.
Auch eine der groĂen Zukunftshoffnungen sucht bislang ihren Rhythmus. Shane Wright â nein, nicht der mehrfache olympische Halfpipe-Sieger â lĂ€uft seiner Form aus der Vorsaison noch hinterher. Die Anlagen sind da, der Impact aktuell nicht. FĂŒr ein Team, das ohnehin nach Orientierung sucht, ist das ein weiterer Unsicherheitsfaktor.
Und genau hier verdichtet sich das GefĂŒhl:
Wir sind verwirrt.
Kein klares Tanking.
Kein klarer Push.
Kein sauberer Ăbergang.
So findet sich Seattle nun im âBattle of the Losersâ wieder â gemeinsam mit Teams, die offen oder unfreiwillig nach unten schauen. Die Frage lautet nicht mehr, ob man verliert, sondern wer am Ende ganz unten steht.
Seattle kÀmpft mit.
Nicht laut.
Nicht spektakulÀr.
Aber mit bemerkenswert vielen VertrÀgen.
Minnesota ist aktuell eines der klarsten Projekte der gesamten FIHL. Kein Verstecken, kein Schönreden, kein hektisches Gegensteuern â der Rebuild ist offen ausgerufen. Und er wird mit bemerkenswerter Konsequenz verfolgt.
AngefĂŒhrt wird die Franchise von einem der beliebtesten GMs der Liga. Ein Typ, der nicht nur sportlich prĂ€sent ist, sondern auch enorm viel fĂŒr unsere geliebte FIHL-Website leistet. Sympathisch, engagiert â und ja, vielleicht hilft auch dieser Dialekt, den man einfach gern hört. Einer, dem man zuhört, selbst wenn er gerade vom nĂ€chsten Pick-Trade erzĂ€hlt.
Der Fokus lag frĂŒh und kompromisslos auf dem Draft 2025 â und Minnesota ging dort all in.
Ganze vier First-Round-Picks standen zur VerfĂŒgung, und sie wurden ohne Zögern genutzt: Porter Martone, Jake OâBrien, Kashawn Aitcheson und Jack Nesbitt. Vier Namen, vier unterschiedliche Profile â aber ein gemeinsamer Nenner: Zukunft. Minnesota setzte nicht auf einen HoffnungstrĂ€ger, sondern auf Auswahl, Breite und Optionen.
Insgesamt sammelte die Franchise 11 Picks im Draft 2025. Elf.
Das war kein Draft, das war Materialbeschaffung. WĂ€hrend andere Teams ĂŒber einzelne Entscheidungen grĂŒbelteten, baute Minnesota bereits an der nĂ€chsten Generation â ruhig, systematisch und mit auffĂ€lliger Konsequenz.
Und der Blick nach vorne bleibt genauso radikal. Auch der Draft 2026 ist lÀngst fest im Visier: bereits 13 Picks wurden eingesammelt. Dreizehn. Eine Zahl, die nicht nach Feinschliff klingt, sondern nach Massenproduktion.
Das Ziel ist klar: Rebuild mit einer Armee von Prospects. Eine Tiefe, bei der selbst Putin kurz innehalten und anerkennend nicken wĂŒrde. Minnesota baut nicht auf einen Hoffnungsschimmer â sondern auf Ăberzahl.
Sportlich spiegelt sich dieser Kurs deutlich wider. Minnesota ist aktuell Letzter der Western Conference â und im Overall-Ranking nur noch von dem brutalen Goalie-Tandem aus New Jersey geschlagen. Mehr Keller geht kaum.
Die Wild haben bereits einen 12-Spiele-Losing-Streak hingelegt â und man munkelt, dass man in der zweiten SaisonhĂ€lfte durchaus Ambitionen hat, diesen Wert noch zu ĂŒbertreffen. Nicht aus Trotz. Sondern aus Ăberzeugung.
Im Kellerkampf bleibt es damit hochspannend. Minnesota ist mittendrin â nicht zufĂ€llig, sondern geplant. Die Frage ist lĂ€ngst nicht mehr, ob man verliert, sondern wie effizient.
Wer kackt am besten ab?
Wir sind gespannt.
Und Minnesota?
Die zÀhlen derweil weiter Prospects.
Mit Part 3 â The Final Part ist der Midseason Report komplett.
Teil 1 setzte die groĂen Linien, Teil 2 lieferte die ersten Abrechnungen â und nun ist alles gesagt. Wirklich alles.
Wir haben ĂŒber Aufsteiger und AbstĂŒrze geschrieben, ĂŒber mutige Entscheidungen, brisante Trades und ĂŒber Chancen, die man besser genutzt hĂ€tte, solange sie noch da waren. Manche Teams stehen stabil da, andere balancieren bereits am Abgrund â und wieder andere haben sich diesen Abgrund sehr bewusst ausgesucht.
Jetzt beginnt die zweite SaisonhÀlfte.
Ohne Ausreden.
Ohne Schonfrist.
Mit offenen Rechnungen.
Und wĂ€hrend die Liga sich auf harte Monate einstellt, dĂŒrfen wir ausnahmsweise kurz durchatmen. JaromĂr JĂĄgr zeigt sich Ă€uĂerst zufrieden mit den Verkaufszahlen unserer Artikel. So zufrieden sogar, dass wir Journalisten tatsĂ€chlich bezahlten Urlaub bekommen. Ein historischer Moment.
Was wir damit machen?
Vielleicht trifft man sich irgendwo diskret mit Ullmark.
Vielleicht gibt es eine kleine Bunga-Bunga-Party.
Vielleicht auch einfach nur Schlaf.
Eines ist sicher:
Wenn der Puck wieder fĂ€llt, sind wir zurĂŒck.
Mit Stift, Tastatur und ohne RĂŒcksicht auf Befindlichkeiten.
đ„ THE FIHL SUN BLICK đ„
Wir berichten, wenn andere schweigen.